Chilblain Hall
2007/12/22

“Carceri Plate VII - The Drawbridge”, Giovanni Battista Prinaesi

Panel aus Glister #2 (Image Comics); Andi Watson
Nothing People
2007/11/22

Outsider Punk aus einem Kaff in Kalifornien, bisher veröffentlicht in Form von zwei 7″s (immer noch das ideale Format für sowas) bei S-S Records. Etwas rumpelige Monotonie, viel Fuzz, ein Hauch von brüchigem Glamour, anonyme Bandmitglieder und ein Cover mit verschwommenen Außerirdischen in einer Steinwüste. Das alles läuft genau richtig halb links neben der Spur um zu wirken. Eine prima Roxy Music Coverversion gibt’s auch.
“all your troubles come from yourself
nobody hurts you - they don’t care”
Äther
2007/10/20
Die Radiosendung Collective Voice ist prinzipiell sowieso immer wert angehört zu werden, aber die letzte Ausgabe, die inzwischen auch zum download bereitsteht, ganz besonders. Es wurde die Hälfte der dreistündigen Sendezeit auf ein ausführliches Interview und Musik von Liz Harris aka Grouper verwendet. Ihr sanftmütiges Dröhnen aus dem Äther zählt momentan zu meinen absoluten Lieblingsmusiken, insbesondere ihr diesjähriges Album Cover the Windows and the Walls, erschienen bei Jefre Cantu-Ledesmas famosen Root Strata Label, und die auf Type Records wiederveröffentlichte LP Way Their Crept.
Party like it’s 1969!
2007/10/11
Gefunden auf Square America, einer immer wieder sehenswerten Website, auf der gefundene Schnappschüsse aus dem Amerika der ersten 3/4 des 20. Jahrhunderts ausgestellt werden:
“The Party- Almost 50 photos from one late 60s/early 70s biracial, bisexual, bacchanal.”
Partyfotos auf Deutschlands größtem Suffbild-Portal StudiVZ browsen erschien nie jämmerlicher.
Porto Interior
2007/10/08

In ihrem andauernden Projekt Porto Interior zeigt die portugiesische Fotografin Inês d’Orey Innenansichten aus ihrer Heimatstadt Porto. Menschenleere Orte ohne konkrete Bedeutung oder Geschichte. Doch durch die von der feinen Geometrie der Bilder geschaffenen Zwischenräume weht geisterähnlich der leise Widerhall sanfter Melancholie.
“My aim is not to document these spaces, but explore the possible and the impossible in an interior harbor.”
Gefunden im Cru A #10.
Factums
2007/10/03

Mit Lofi Ästhetik wird oft Intimität und Nähe verbunden, vielfach auch mit einem Hinweis auf Authentizität. Die aktuellen Veröffentlichungen der Factums (Alien Native LP/Siltbreeze, See Inside EP/Pollymaggoo) sind jedoch gute Beispiele dafür, wie auf diese Weise Abstand und Fremdartigkeit erzeug wird. Oft klingt es so, als ob die Band im feuchten Keller spielen würde, man selber hört nur, was durch den Fußboden zu einem durchdringt, Stimmen verhallen verzerrt im Nebel aus gedämpftem Feedback. Die meist recht kurzen Stücke bestehen oft aus nicht mehr als einem einfachen Synth- oder Gitarrenriff und rumpeligen Rhythmus unter einem Film aus Störgeräuschen. Ohne größere Dynamik stampft und schlingert die Musik im Grunde nur so dahin, wirkt durch geradezu stumpfe Wiederholung aber letztendlich hypnotisch und entrückt. Dies alles erweckt den Eindruck von vergessenen und nun wiedergefundenen Aufnahmen füher Elektronikexperimente, knisternde Tranistoren und knarzende Oszillatoren, gemischt mit wirrem Postpunk oder No Wave. Die Covergestaltung passt hervorragend dazu, wie Fotografien wie aus den Archiven eines Erforschers vergessener Kulturen und ihrer Rituale.
Sunday Service
2007/09/30
In der ersten Ausgabe von Z-Gun (dem Fachmagazin für “Neo Wave + Paleo Wave” :D) schreibt Ryan Wells in einer kurzen Besprechung des Harmonia Albums Deluxe:
“Think of this as sort of a substitute religious music for folks who have other priorities on Sundays at 10am.”
So wie ich hier in meinem Ohrenbackensessel sitze, dieses Album höre, meinen Frühstückstee schlürfe und durchs Fenster den Schäfchenwolken hinterher winke, ist das einer der treffendsten Sätze, die man überhaupt zu dieser Musik formulieren kann.
Auch ansonsten ist Z-Gun ein lesenswertes Blatt, besonders wenn man Spaß daran hat sich Musik vorzustellen, die man vermutlich niemals zu hören bekommt, weil sie 1980 von Aussteigern im kalifornischen Hinterland aufgenommen wurde.
Dachlandschaft
2007/09/25
Teynkirche in der Altstadt von Prag, Karel Plicka (via feuilleton)
“Within the first hour from the time when he had awakened, he had descended a long sloping roof, after dropping nine feet from the parapet and had then come up upon a small, winding stone staircase which led him across a gap between two high walls to where a cluster of conical roofs forced him to make a long and hazardous circuit. Arriving at last at the opposite side of the cluster, faint and dizzy with fatigue and emptiness and with the heat of the strengthening sun, he saw spread out before him in mountainuous facades a crumbling panorama, a roofscape of Gormenghast, its crags and its stark walls of cliff pocked with nameless windows. Steerpike for a moment lost heart, finding himself in a region as barren as the moon, and he became suddenly desperate in his weakness, and falling on his knees retched violently.”


