Äther

2007/10/20

Die Radiosendung Collective Voice ist prinzipiell sowieso immer wert angehört zu werden, aber die letzte Ausgabe, die inzwischen auch zum download bereitsteht, ganz besonders. Es wurde die Hälfte der dreistündigen Sendezeit auf ein ausführliches Interview und Musik von Liz Harris aka Grouper verwendet. Ihr sanftmütiges Dröhnen aus dem Äther zählt momentan zu meinen absoluten Lieblingsmusiken, insbesondere ihr diesjähriges Album Cover the Windows and the Walls, erschienen bei Jefre Cantu-Ledesmas famosen Root Strata Label, und die auf Type Records wiederveröffentlichte LP Way Their Crept.

Gefunden auf Square America, einer immer wieder sehenswerten Website, auf der gefundene Schnappschüsse aus dem Amerika der ersten 3/4 des 20. Jahrhunderts ausgestellt werden:

The Party- Almost 50 photos from one late 60s/early 70s biracial, bisexual, bacchanal.”

Partyfotos auf Deutschlands größtem Suffbild-Portal StudiVZ browsen erschien nie jämmerlicher.

Porto Interior

2007/10/08


In ihrem andauernden Projekt Porto Interior zeigt die portugiesische Fotografin Inês d’Orey Innenansichten aus ihrer Heimatstadt Porto. Menschenleere Orte ohne konkrete Bedeutung oder Geschichte. Doch durch die von der feinen Geometrie der Bilder geschaffenen Zwischenräume weht geisterähnlich der leise Widerhall sanfter Melancholie.

“My aim is not to document these spaces, but explore the possible and the impossible in an interior harbor.”

Gefunden im Cru A #10.

Factums

2007/10/03

Mit Lofi Ästhetik wird oft Intimität und Nähe verbunden, vielfach auch mit einem Hinweis auf Authentizität. Die aktuellen Veröffentlichungen der Factums (Alien Native LP/Siltbreeze, See Inside EP/Pollymaggoo) sind jedoch gute Beispiele dafür, wie auf diese Weise Abstand und Fremdartigkeit erzeug wird. Oft klingt es so, als ob die Band im feuchten Keller spielen würde, man selber hört nur, was durch den Fußboden zu einem durchdringt, Stimmen verhallen verzerrt im Nebel aus gedämpftem Feedback. Die meist recht kurzen Stücke bestehen oft aus nicht mehr als einem einfachen Synth- oder Gitarrenriff und rumpeligen Rhythmus unter einem Film aus Störgeräuschen. Ohne größere Dynamik stampft und schlingert die Musik im Grunde nur so dahin, wirkt durch geradezu stumpfe Wiederholung aber letztendlich hypnotisch und entrückt. Dies alles erweckt den Eindruck von vergessenen und nun wiedergefundenen Aufnahmen füher Elektronikexperimente, knisternde Tranistoren und knarzende Oszillatoren, gemischt mit wirrem Postpunk oder No Wave. Die Covergestaltung passt hervorragend dazu, wie Fotografien wie aus den Archiven eines Erforschers vergessener Kulturen und ihrer Rituale.